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Mittelbayerische   Zeitung von 31.07.09

Umgehung ist weiter umstritten

Umgehung ist weiter umstritten

Zwischenbilanz Vor einem Jahr hat der Gemeinderat der Planung für den Bau der Verbindungsspange zugestimmt - und seitdem kämpft die IG "Lebendiges Seubersdorf" dagegen an.

Seubersdorf. "Die geplante Umgehung wird den Bürgern eine enorm zunehmende Belastung durch Schwerlastverkehr bringen", sagt Erwin Nutz. Er ist der Sprecher der Interessengemeinschaft (IG) "Lebendiges Seubersdorf", die mittlerweile 340 volljährige Mitglieder hat und seit über einem Jahr mit Informationsveranstaltungen gegen die Planung des Bauamts Regensburg kämpft.

Nach den der IG vorliegenden Zahlen fahren täglich rund 3500 Fahrzeuge auf der B 8 durch Seubersdorf. 1750 davon seien Durchgangsverkehr, der Rest sei der innerörtliche Verkehr, auf den eine Umgehung ohnehin keinen Einfluss habe. Abzüglich des Durchgangsverkehrs, der trotz einer Umgehung weiterhin durch den Ort fahren würde, ergibt sich laut Nutz eine Reduzierung um höchstens ein Drittel.

Enorm zunehmen werde dafür der Schwerlastverkehr auf der jetzigen Staatsstraße 2251 entlang des Wohngebiets an der Eichenhofener Straße. Im Anschluss daran rolle er an im Flächennutzungsplan als potenzielle Wohngebiete ausgewiesenen Grundstücken vorbei. "Vom Mischgebiet, das auf den Verkehr angewiesen ist, verlegt man ihn an ein Wohngebiet", kritisiert Nutz.

"B 8 zieht Mautflüchtlinge an"

Die B 8 werde sich nach der Beseitigung des Nadelöhrs Bahnunterführung als Mautausweichstrecke für die Autobahn etablieren. "Das zieht deutlich mehr Laster nach Seubersdorf und die Ortsteile", ist der IG-Sprecher überzeugt. Für Batzhausen bedeute dies, das dann der Schwerlastverkehr Tag und Nacht rolle. Schnufenhofen werde ohnehin von der Umgehung nicht entlastet - im Gegenteil.

Das Argument der Befürworter, die Umgehung würde Seubersdorf als Gewerbestandort interessanter machen, lässt Erwin Nutz nicht gelten. "Es gibt dazu keine konkreten Pläne, nur nebulüse Aussagen", sagt er. Seiner Meinung nach bringt eine Umgehung die Gemeinde entwicklungspolitisch keinen Deut voran.

"Greifbare Vorteile fehlen, der Nachteil einer enorm zunehmenden Lkw-Belastung ist Fakt", erklärt Erwin Nutz. Dabei komme noch hinzu, dass es sich bei den Mautflüchtlingen wohl hauptsächlich um Lastwagen aus osteuropäischen Ländern handeln werde. "Bei deren niedrigen Lohnkosten lohnt sich schon einmal ein Umweg, der teure Euro spart", sagt er.

Diese Lkw seien allerdings von den Umweltstandards her nicht mit modernen Fahrzeugen zu vergleichen, so dass die Umweltbelastung etwa durch Feinstaub entsprechend hoch sein werde. Was die IG "Lebendiges Seubersdorf" außerdem gewaltig bei der Umgehung stört: "Das Bauamt äußert sich nicht dazu, wie der weitere Ausbau nach der Querspange vonstatten gehen soll", so der Sprecher.

"Was passiert mit der Kreuzung?"

Es werde weder erklärt, wie die Einmündung von der Eichenhofener Siedlung in die jetzige Staatsstraße geregelt werden soll, was mit der Krappenhofener Kreuzung passiert und ob die marode Bahnbrücke für den zunehmenden Schwerlastverkehr überhaupt in der jetzigen Form geeignet sei, kritisiert Erwin Nutz. (tp)

Argumente Das Straßenbauamt führt mehr Sicherheit für Kinder und Senioren ins Feld - und die Gegner warnen vor einer deutlichen Zunahme des Schwerlastverkehrs im Gemeindebereich.

Nadelöhr auf der B 8 wird beseitigt

Ziele Das Bauamt verspricht den Seubersdorfern eine deutliche Entlastung des Ortskerns.

Seubersdorf/Regensburg. Das Staatliche Hochbauamt verspricht sich von einer Umgehung zwei Verbesserungen gegenüber der jetzigen Situation. "Die Umgehung würde den Ortskern beim Durchgangsverkehr deutlich entlasten und somit für mehr Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger sorgen - nicht zuletzt für Kinder und ältere Menschen", sagt Josef Kreitinger.

Für den Leiter der Abteilung Straßenbau ist der zweite wesentliche Aspekt, dass das "Nadelöhr Bahnunterführung" beseitigt würde. Wegen der niedrigen Durchfahrtshöhe hätten dort immer wieder Lastwagen und auch die Feuerwehr Probleme und müssten umkehren.

Mit einer Länge von lediglich 800 Metern sei die Verbindung zwischen der B 8 und der Staatsstraße 2251 zudem kein großer Aufwand. In den Kosten von zwei Millionen Euro sei auch der 900 Meter lange Ausbau der B 8 in Richtung Deining schon enthalten, der aus wasserschutzrechtlichen Gründen ohnehin notwendig sei. "Mit dem Bau der Umgehung könnten wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen", betont Baudirektor Kreitinger.

Angesichts dieser Hintergründe habe das Bauamt Interesse an der Planung, denn das aktuelle Verkehrsaufkommen in der Ortsdurchfahrt allein wäre als Begründung ein Grenzfall. Die letzte Zählung habe 2006 stattgefunden und 1700 Fahrzeuge, darunter 60 Laster ergeben, so Kreitinger.

Was allerdings typisch für den Flächenlandkreis Neumarkt sei, wie Josef Gilch versichert. Der Abteilungsleiter für den Straßenbau im Landkreis Neumarkt verweist dabei auf die Umgehungen von Lauterhofen und Velburg, bei denen die Situation beim Verkehrsaufkommen vergleichbar gewesen seien. "Gerade in einem Flächenlandkreis ist eine gute Infrastruktur nicht zuletzt für die wirtschaftliche Entwicklung von großer Bedeutung", ist Gilch überzeugt.

Bei der Auswirkung auf den Verkehr sei man auf Prognosen angewiesen: Auf der Spange zwischen B 8 und Staatsstraße werden demnach im Jahr 2020 täglich rund 2400 Fahrzeuge unterwegs sein. Auf der Staatsstraße 2251 selbst rechne das Bauamt mit rund 4400 Fahrzeugen. Da erfahrungsgemäß auf Staatsstraßen rund zehn Prozent davon Lastwagen seien, seien rund 400 Laster im Jahr 2020 eine realistische Schätzung, so Gilch.

Eine Ausweichstrecke für Mautflüchtlinge der A 3 werde die Umgehung nicht werden, zeigt er sich überzeugt. Zeitverlust, Materialverschleiß und höhere Spritkosten angesichts der bergigen und kurvigen Strecke machten die B 8 für Laster unattraktiv.

Zum Stand der Planung sagt Josef Gilch, dass nach der Genehmigung des Vorentwurfs durch die Regierung in diesem Jahr die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren zusammengestellt würden. Dazu gehörten aktuelle Verkehrsgutachten genauso wie das Abklären von landschaftsplanerischen und Umweltbelangen. Die Planfeststellung werde das Baumamt dann im kommenden Jahr bei der Regierung beantragen, sagt Gilch. (tp)

Das sagen:

Der Bürgermeister

"Die Umgehung ist eine einmalige Chance für Seubersdorf", sagt Bürgermeister Hans Bierschneider - "und das für die Gemeinde völlig kostenlos".

Bereits 2004 habe sich der Gemeinderat einstimmig für die Planung ausgesprochen. Der Bau wäre seiner Meinung nach eine Entlastung für den Ort, denn: "Jeder Laster, der ohne Not durch Seubersdorf fährt, ist einer zuviel." Gerade für Kinder und Senioren sei der Schwerlastverkehr eine Gefahr. Auch Schnufenhofen würde von der Umgehung profitieren. Dass davon mehr Verkehr in den gesamten Bereich Seubersdorf gelockt würde, hält Bierschneider für eine reine Spekulation. Eine Chance sei die Planung auch deshalb, weil die Gemeinde dann im Ortskern auch gestalterisch im Sinne einer attraktiven Ortsmitte tätig werden könnte. Hinfällig wäre auch die Teilung des Ortes durch die B8 und die Bahnlinie, was neue Möglichkeiten für die Naherholung eröffnen würde. (tp)

Der Bund Naturschutz

"Unseres Erachtens ist eine Umgehung von Seubersdorf überflüssig", sagt Dr. Josef Guttenberger. Der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz ist

davon überzeugt, dass die Seubersdorfer nicht davon profitieren würden, da der innerörtliche Verkehr von den Bürgern selbst erzeugt werde. Zudem würden erfahrungsgemäß Flächen zwischen den Umgehungstraßen und dem Ort im Anschluss bebaut, was der Geschlossenheit des Ortsbildes schade. Zudem schneide eine Umgehungsstraße den Hauptort von der Umgebung ab, so dass es für Fußgänger und Radfahrer schwieriger werde, zur Erholung in die Natur zu gelangen. (tp)

Das Forstamt

Der Leiter des Forstbetriebs Kelheim, Erwin Engeßer, befürchtet durch den Bau der Umgehung enorme Schäden für den Staatswald. "Wenn - wie geplant - der Waldmantel aufgerissen wird, ist es das Schlimmste, was den dahinter stehenden Bäumen passieren kann", warnt er. Seit 2005 bewirtschaftet der Forstbetrieb den Distrikt Bockslohe und Engeßer rechnet mit drastischen wirtschaftlichen Einbußen, wenn die Umgehung wie geplant gebaut wird. "Im Erörterungsverfahren werde ich für den Forstbetrieb diese Bedenken vortragen und auf einen entsprechenden Ausgleich bestehen", kündigt der Leiter an. Die Zustimmung für die Trasse habe im Vorfeld das damalige Forstamt Parsberg erteilt. (tp)

Die Unternehmer

"Aus unserer Sicht sprechen zahlreiche Argumente für den Bau der Straße", schreiben Albert Kurzendorfer und Alwin Semmler in einem Brief an das Bauamt. Die Belieferung der Betriebe mit Waren durch große Laster wäre erheblich einfacher und der Transport für örtliche Fuhrunternehmer in und aus Richtung Neumarkt ohne Umwege zu bewältigen. Die Kostenreduzierung würde Arbeitsplätze sichern und die Umwelt würde profitieren. Durch die Umgehung wäre das Industriegebiet in der Jurastraße besser erreichbar. Auch eine Neuansiedlung von bestehenden und neuen Betrieben werde erleichtert. Das Verbraucherverhalten werde sich wenig ändern, denn der Großteil der Umsätze mache die Stammkundschaft aus. Die Reduzierung des überörtlichen Verkehrs, der keine wirtschaftliche Vorteile bringe, erhöhe die Lebens- und Wohnqualität innerorts erheblich. Eine Gestaltung entlang der jetzigen Bundesstraße könnte langfristig in Angriff genommen werden. Ebenfalls wäre die Umgehung ein Beitrag zur Sicherheit der Schulkinder. Laut Alwin Semmler haben sich bei einer Umfrage unter den Mitglieder von 44 Unternehmern 26 für den Bau ausgesprochen. (tp)

Glaubensfrage  Kommentar von Peter Tost

Welches Szenario nach dem Bau der geplanten Umgehung eintreten wird - und in welcher Drastizität - ist schwer vorherzusagen. Sowohl die Befürworter als auch die Gegner sind auf Prognosen angewiesen, die sich nicht selten als falsch herausstellen. Klar ist dagegen, dass die Entscheidung für oder gegen die Straße nicht auf der politischen Bühne fallen wird. Herrin des Verfahrens ist die Regierung der Oberpfalz, die im Planfeststellungsverfahren die Argumente des Staatlichen Bauamts gegen mögliche Einwendungen abwägen muss. Die Gegenargumente können von den Fachbehörden kommen und sie werden es in jedem Fall von der BI "Lebendiges Seubersdorf" - das haben die Gegner angekündigt. Wie stichhaltig die Gegenargumente in den Augen der Regierung sind, wird sich erst bei der öffentlichen Anhörung zeigen. Vor dem Frühjahr 2010 ist damit nicht zu rechnen. Stimmt die Regierung der Planung zu, bleibt nur noch der Weg vor den Verwaltungsgerichtshof.