Presseberichte 7  6 5 4 3 2 1  Umgehung ist weiter umstritten

Neumarkter Tagblatt vom 01.12.2010

IG macht weiter

Verkehr Die Umgehungsgegner planen eine Podiumsdiskussion mit den Bürgermeisterkandidaten - und bitten um Spenden.

Seubersdorf. Bei der ersten Mitgliederversammlung der Interessengemeinschaft Lebendiges Seubersdorf nach dem Bürgerentscheid zur Umgehungsstraße, bei dem sich 47,9 Prozent gegen die Planung ausgesprochen hatten, bezeichnete Dietmar Müller das Ergebnis als einen Riesenerfolg.

Der zweite Sprecher der IG betonte, dass dieser nur durch die zahlreichen Unterstützter möglich geworden sei - von Geldspenden bis zum Austeilen der Flugblätter sei das Engagement enorm gewesen. Niemand habe mit einer so hohen Beteiligung und mit einem so knappen Ausgang gerechnet. "Vor allem nicht die "Bürgermeisterfraktion", so Müller.

Erster Sprecher Erwin Nutz ergänzte: "1125 Bürger haben für unseren Antrag gestimmt - und diese haben wir auch weiterhin zu vertreten". Nicht zuletzt deshalb, weil in den eigentlich betroffenen Ortsteilen Seubersdorf, Batzhausen, Daßwang und Eichenhofen sogar eine Mehrheit gegen die Umgehungsstraße gestimmt habe.

Als eine der nächsten Aktionen werde die IG im Vorfeld der Bürgermeisterwahl zu einer Podiumsdiskussion mit allen Kandidaten einladen. "Wir werden ihnen im Rahmen dieser Veranstaltung die Gelegenheit geben, ihre Haltung zur Umgehungsstraße einem breiten Publikum klipp und klar darzulegen. Wir werden dabei lediglich auf strikte Sachlichkeit achten und zu diesem Zweck extra einen neutralen Moderator engagieren. Der wird auch sicherstellen, dass es fair zugeht."

Im übrigen habe der Widerstand mittlerweile ein reges Eigenleben entwickelt. So hätten bereits mehrere Betroffene aus Seubersdorf, Daßwang und Batzhausen der IG mitgeteilt, dass sie beim Planfeststellungsverfahren Einsprüche einbringen werden.

Müller: "Die Interessengemeinschaft wird jeden unterstützen, der einen Einspruch einbringen will, damit dieser korrekt abgefasst und an die richtige Adresse geleitet wird." Betroffene könnten sich entweder persönlich bei der Bäckerei Liedl, bei Johann Schön (Telefon 14 52) oder per Email unter info@lebendiges-seubersdorf.de melden.

Da für das weitere Vorgehen wieder mit finanziellen Aufwendungen zu rechnen sei, bitte die IG ihre Mitglieder und andere Unterstützer um Spenden auf das Konto mit der Nummer 42001636 bei der Sparkasse Neumarkt-Parsberg (BLZ 76052080). "Jeder, der zehn oder 20 Euro erübrigen könne hilft der gemeinsamen Sache enorm weiter. Wenn jemand mehr erübrigen kann, umso besser", erklärten Nutz und Müller und stellten klar: "Wir sind auf alles vorbereitet und machen weiter."

 

Neumarkter Tagblatt vom 01.12.2010

IG will weiter kämpfen

Widerstand Sie will die Umgehungsstraße nicht akzeptieren

Seubersdorf. Die Interessengemeinschaft "Lebendiges Seubersdorf" will weiter gegen den Bau der Umgehungsstraße in Seubersdorf kämpfen. Die Sprecher der IG, Erwin Nutz und Dietmar Müller kündigten in einer Stellungnahme an, im Hinblick auf das knappe Wahlergebnis die Angelegenheit weiter zu verfolgen.

"Die 1125 Stimmen gegen die vorliegende Planung sind dafür ein klarer Auftrag. Insbesondere die Menschen in Daßwang erwarten, dass die IG weiterkämpft", heißt es in der Stellungnahme weiter. Die beiden bedanken sich darin außerdem bei allen Wählerinnen und Wählern für die Unterstützung und Gesten der Solidarität.

Bei einem Blick auf das Wahlergebnis werde deutlich, dass ohne die Berücksichtigung der weniger betroffenen Ortsteile Wissing, Ittelhofen und Freihausen die Sache anders ausgegangen wäre. Und diese Tatsache könne laut den IG-Sprechern nicht übergangen werden. Vor allem müsse die Gesamtplanung auf den Tisch - statt der Trennung in zwei Planungsabschnitte.

Daher werde die IG im Januar bei einer Mitgliederversammlung das weitere Vorgehen beschließen. Fest stehe laut Nutz und Müller bereits, dass das Straßenbauamt nach dem Wahlergebnis nicht mehr umhin komme, sich vor allem mit den Belangen Daßwangs auseinanderzusetzen. "Wir werden die Daßwanger auch weiterhin mit allen Kräften unterstützen. Außerdem wird man sich noch Gedanken darüber machen müssen, welche Sanierungs- und Unterhaltskosten auf die Anlieger der Nürnberger und Regensburger Straße zukommen, wenn die jetzige B8 eine Gemeindestraße werden sollte."

 

Neumarkter Nachrichten vom 15.11.2010

Seubersdorf: Knappe Mehrheit für Umgehungsstraße

Initiatoren des Bürgerentscheids sind unterlegen — Bürgermeister strebt Lösung mit dem Bauamt Regensburg an - 14.11. 22:49 Uhr

SEUBERSDORF  - Exakt 1224 Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Seubersdorf haben sich am Sonntag Abend per Bürgerentscheid für eine Umgehungsstraße von Seubersdorf ausgesprochen, 1125 waren dagegen. Die Wahlbeteiligung lag bei stattlichen 59,6 Prozent, womit das Quorum von 791 Stimmen deutlich übertroffen wurde.

Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Seubersdorf alle rechtlichen Möglichkeiten gegen die geplante Ortsumgehung (B8 neu) ausschöpft, sich insbesondere im Planfeststellungsverfahren gegen den Bau ausspricht und gegen einen Planfeststellungsbeschluss Klage erhebt?“ So lautete die Frage auf dem Stimmzettel, und man musste mit Ja antworten, wenn man gegen die Umgehungsstraße war. 47,9 Prozent der Wähler haben das getan, 52,1 Prozent haben mit Nein gestimmt. 2356 der insgesamt 3792 Wahlberechtigten haben ihre Stimme abgegeben

Die Aufteilung nach Wahlbezirken: Seubersdorf I (196 Ja, 266 Nein), Batzhausen (208 Ja, 184 Nein), Daßwang (232 Ja, 52 Nein), Ittelhofen/Freihausen (40 Ja, 98 Nein), Wissing (57 Ja, 125 Nein), Eichenhofen (70 Ja, 83 Nein), Schnufenhofen (24 Ja, 169 Nein), Seubersdorf II (209 Ja, 184 Nein) und Briefwahl (89 Ja, 63 Nein).

Bürgermeister Hans Bierschneider (CSU) freute sich über die hohe Wahlbeteiligung und sagte: „Ich hätte mit etwas mehr Zustimmung zur Umgehungsstraße gerechnet. Aber Gott sei Dank kehrt nun wieder Ruhe ein, und der Unfrieden, Zwist und Streit, unter dem viele Ortsteile und Vereine gelitten haben, kann jetzt wieder durch Frieden und gute Zusammenarbeit ersetzt werden.“

Der Bürgermeister bedankte sich bei den 100 Wahlhelfern, betrachtete das Abstimmungsergebnis als nachträgliche Bestätigung des seinerzeitigen Gemeinderatsbeschlusses und erklärte: „Für uns ändert sich nichts, wir werden weiterhin in engem Kontakt mit dem Staatlichen Bauamt nach einer für alle akzeptablen Lösung suchen.“

Erwin Nutz und Dietmar Müller, die Sprecher der Interessengemeinschaft, waren selbstredend sehr enttäuscht. „Verloren ist verloren, und deshalb werden wir das Ergebnis anerkennen“, erklärten sie unisono und weiter: „Die hohe Wahlbeteiligung und die teilweise deutliche Ablehnung der Umgehungsstraße in den Orten Batzhausen und Daßwang müssen für die Gemeinde Auftrag sein, die Planung zusammen mit dem Bauamt nachzuarbeiten.“ Angesichts der politischen Ausgangslage sei das Ergebnis sehr knapp ausgefallen. Deshalb werde man auch im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens die Bedenken der Bürgerinnen und Bürger deutlich vertreten, zum Beispiel, wenn es um einen zweiten Kreisverkehr gehe. „Wir sind es unseren Unterstützern schuldig, auch in Zukunft an der Sache dranzubleiben“, so Nutz.

Seit 18 Jahren

Über eine Umgehungsstraße für Seubersdorf wird laut Bürgermeister Hans Bierschneider (CSU) schon seit rund 18 Jahren gesprochen. Bei einer Gemeinderatssitzung im November 2007 wurden entsprechende Planungen diskutiert. Bierschneider damals: „Eine Ortsumgehung ist eine einmalige Chance, die sich nur wegen der Bahnunterführung eröffnet. Wenn wir diese Möglichkeit ungenutzt lassen, haben wir eine Chance für die nächsten 50 Jahre verpasst.“

Im Juli 2008 stellte das Staatliche Bauamt Regensburg den Vorentwurf vor. Der Gemeinderat stimmte dem mit 16:4 Stimmen zu und gab damit grünes Licht für die Ortsumgehung. Doch es formierte sich Widerstand. Im Mai 2008 wurde die Interessensgemeinschaft „Lebendiges Seubersdorf“ gegründet. Erwin Nutz und Dietmar Müller kämpfen seither zusammen mit mehr als 380 Mitgliedern gegen die geplante Umgehung an

 

Neumarkter Tagblatt vom 15.11.2010

Die Mehrheit ist für die Umgehung

Bürgerentscheid 52,1 Prozent sagen Nein zur Forderung der Interessengemeinschaft - und bestätigen den Gemeinderatsbeschluss.

Von peter Tost

Seubersdorf. Mit 52,1 Prozent haben sich die Bürger für eine Umgehungsstraße in Seubersdorf ausgesprochen und damit den Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 2008 bestätigt. Der Forderung der Interessengemeinschaft "Lebendiges Seubersdorf", die erreichen wollte, dass die Gemeinde die Planung ablehnt und nötigenfalls Klage dagegen erhebt, stimmten 47,9 Prozent zu. Die Wahlbeteiligung war mit 60 Prozent sehr hoch.

"Ich hoffe vor allem, dass der Zwist aufhört und wieder Ruhe einkehrt", sagte Bürgermeister Hans Bierschneider als erste Reaktion nach dem Ergebnis. Die Mehrheit der Bürger habe den Beschluss des Gemeinderats bestätigt und somit ändere sich auch nichts an der Haltung der Gemeinde.

Man werde demach wie bisher mit dem Staatlichen Bauamt in Kontakt bleiben und alles daran setzen, gemeinsam eine für alle akzeptable Lösung für eine Ortsumfahrung von Seubersdorf zu erreichen.

Er hoffe außerdem, dass das Ergebnis des Bürgerentscheids akzeptiert werde, für das dankenswerter Weise rund 100 Wahlhelfer ihren Sonntag geopfert hätten. Er sei sehr froh darüber, dass fast 60 Prozent der Gemeindebürger zur Abstimmung gegangen seien und ihre Meinung klargemacht hätten, sagte Bierschneider.

Enttäuscht zeigten sich die IG-Sprecher Erwin Nutz und Dietmar Müller. "Je knapper das Ergebnis ist, umso bitterer ist es", sagte Nutz. Immerhin hätten fast 48 Prozent der Abstimmungsteilnehmer mit ihrem Ja zur Forderung der IG deutlich gemacht, dass sie mit der jetzigen Planung nicht einverstanden seien.

Das sei ein klares Signal an den Gemeinderat, an der Planung noch zu arbeiten. Vor allem an der Einmündungs- und Kreuzungssituation der neuen B 8 gebe es noch Nachbesserungsbedarf. "Wir appellieren an den Bürgermeister, sich dieser Probleme anzunehmen", sagten sie. Bei den jüngsten Diskussionen seien bereits wesentliche Dinge aufgenommen worden, erklärte Nutz. Seinen Dank sprach er den zahlreichen Helfern und Unterstützern der IG aus.

Im Stimmbezirk Seubersdorf I gab es 196 Ja- und 266 Nein-Stimmen, in Batzhausen 208 Ja- und 184 Nein-Stimmen, in Daßwang 232 Ja- und 52 Nein-Stimmen, in Ittelhofen/Freihausen 40 Ja- und 98 Nein-Stimmen, in Wissing 57 Ja- und 125 Nein-Stimmen, in Eichenhofen 70 Ja- und 83 Nein-Stimmen, in Schnufenhofen 24 Ja- und 169 Nein-Stimmen und im Stimmbezirk Seubersdorf II waren es 209 Ja- und 184 Nein-Stimmen.

kommentar Von Peter Tost

Marschroute bestätigt

Nun haben auch die Bürger ihre Meinung zur Umgehung kundgetan - und das Ergebnis ist für die geplante Umgehung ausgefallen. Ein knappes Ergebnis zwar, aber so sind die Spielregeln in der Demokratie. Mit einer Wahlbeteiligung von fast 60 Prozent haben die Bürger gezeigt, dass ihnen das Thema wichtig ist. Gleichzeitig beweist es, dass die mehrheitliche Bestätigung der Marschroute der Gemeinde auf einer breiten Basis steht. Gleichwohl gilt es, die Bedenken der Gegner - nicht zuletzt in Daßwang - ernst zu nehmen. Mehr als 80 Prozent der Bürger haben dort gegen die Planung gestimmt. Nun ist das Geschick der Planer gefragt, auch für diese eine akzeptable Lösung zu finden.


 

Neumarkter Tagblatt vom 13.11.2010

Klarstellung gewünscht

Umgehung Bürgermeister: SPD-Schreiben ganz vorgelesen

 

Seubersdorf. Kurz vor dem Bürgerentscheid sind die Emotionen in Seubersdorf noch einmal hochgekocht. Ausführlich hatte das Tagblatt in seiner Freitagsausgabe Gegner und Befürworter der Umgehung zu Wort kommen lassen.

Dennoch meldete sich Bürgermeister Hans Bierschneider am Freitag noch einmal zu Wort. Es geht um ein Schreiben des SPD-Ortsvereins aus dem Jahr 2004. Damals hatte die SPD dem Gemeinderat mitgeteilt, sie stehe einer Umgehung grundsätzlich positiv gegenüber - jedoch nur unter bestimmten Bedingungen. Da diese bei der Abstimmung nicht erfüllt worden waren, stimmte die SPD 2008 dagegen.

Auf der Bürgerversammlung jüngst in Batzhausen war das sechs Jahre alte SPD-Schreiben wieder Thema. Im Tagblatt-Bericht war Bierschneider sinngemäß damit zitiert worden, die SPD sei 2004 für eine Umgehung gewesen.

Die SPD bezeichnete daraufhin am Donnerstag diese Aussage im Tagblatt als falsch, da daraus nicht hervorgehe, dass sich die SPD 2004 nur unter bestimmten Bedingungen für eine Umgehung ausgesprochen habe.

Der Bürgermeister betonte am Freitag, er sei dafür nicht verantwortlich. Er habe in der Bürgerversammlung das Schreiben der SPD aus dem Jahr 2004 zitiert und auch die Bedenken der SPD vorgelesen.

 

Neumarkter Tagblatt vom 12.11.2010

Die Seubersdorfer Bürger sind gefragt


Verkehr Am Sonntag findet der mit Spannung erwartete Entscheid über die Haltung der Gemeinde zur geplanten Umgehung statt. Von peter Tost

seubersdorf. "Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Seubersdorf alle rechtlichen Möglichkeiten gegen die geplante Ortsumgehung (B 8 neu) ausschöpft, sich insbesondere im Planfeststellungsverfahren gegen den Bau ausspricht und gegen einen Planfeststellungsbeschluss Klage erhebt?" So lautet die Frage, die die knapp 4000 Wahlberechtigten am Sonntag beim Bürgerentscheid beantworten sollen.

Wegen der Formulierung dieser Frage gilt es für die Seubersdorfer, bei der Beantwortung genau hinzusehen. Mit einem Ja stimmen sie dafür, dass die Gemeinde die geplante Umgehung ablehnen soll. Mit einem Nein entscheiden sie sich für die vorliegende Planung und die Umgehung.

Für Bürgerentscheide in Bayern gilt zudem ein so genanntes Quorum. Das bedeutet, dass für die erfolgreiche Annahme nicht nur die einfache Mehrheit der Abstimmenden erforderlich ist, sondern zusätzlich die Zustimmung von 20 Prozent aller Wahlberechtigten. Konkret heißt das, dass mindestens jeder Fünfte der 3985 Wahlberechtigten mit Ja stimmen muss. Insgesamt sind also 797 Ja-Stimmen notwendig, wenn sich die Mehrheit für das Bürgerbegehren und damit gegen die Umgehung entscheidet.

Begründet hatten die in der "IG Lebendiges Seubersdorf" zusammengeschlossenen Umgehungsgegner ihr Bürgerbegehren damit, dass eine Ortsumgehung für Seubersdorf nicht den Bürgern diene, sondern in erster Linie dem überörtlichen Verkehr als Alternativroute zur Autobahn.

Daßwang, Batzhausen und die Bewohner der Eichenhofener Siedlung in Seubersdorf würden durch den zunehmenden Schwerlastverkehr mit Lärm und Abgasen belastet. Außerdem würde beim Bau der Umfahrung ein intakter Waldsaum abgeholzt, was gravierende ökologische Schäden zur Folge hätte.

Das Staatliche Hochbauamt hingegen verspricht den Seubersdorfer Bürgern durch die Umgehung eine deutliche Entlastung des Ortskerns vom Durchgangsverkehr und somit mehr Verkehrssicherheit - nicht zuletzt für Kinder und ältere Menschen.

Für das Bauamt ist der zweite wesentliche Aspekt ihrer Planung, dass das "Nadelöhr Bahnunterführung" beseitigt würde. Denn wegen der niedrigen Durchfahrtshöhe hätten auf der Bundesstraße in diesem Bereich immer wieder Lastwagen und auch die Feuerwehr Probleme und müssten umkehren.

kommentar Abstimmen! Von peter Tost

Egal, wie der Bürgerentscheid am Sonntag ausgehen wird, eine Siegerin sollte es unbedingt geben - und zwar die Demokratie. Denn es war nicht in Ordnung, wie der Beschluss über die Zustimmung der Gemeinde zur geplanten Umgehung im Sommer 2008 durch den Gemeinderat gejagt wurde. Eine Planung, die so vielfältige Auswirkungen auf jeden einzelnen Bürger - auf die einen mehr, auf die anderen weniger - haben kann, sollte auch von der Mehrheit mitgetragen - oder eben abgelehnt werden. Es ist der Interessengemeinschaft "Lebendiges Seubersdorf" hoch anzurechnen, dass sie mit ihrem Bürgerbegehren für die knapp 4000 Wahlberechtigten diese Möglichkeit erkämpft hat - ganz egal ob man nun für oder gegen die Umgehung in der geplanten Form ist. Damit der Bürgerentscheid wirklich ein Sieg für die Demokratie wird, müssen auch genügend Bürger von ihrem Recht Gebrauch machen. Deshalb gibt es für den Sonntag nur eine Aufforderung: Abstimmen!

 

ein thema - ZWei meinungen

IG-Sprecher Erwin Nutz: Die Chance nutzen

Nach vielen Veranstaltungen und Berichten zum Thema Umgehung Seubersdorf bleibt doch eine Reihe von Fragen unbeantwort. Deshalb sollte das Projekt nicht einfach durchgezogen werden können, bevor nicht wichtige Punkte geklärt sind. Die mittel- und langfristigen Folgen für die gesamte Gemeinde müssen vorher betrachtet werden.

Ein Entwicklungskonzept für Seubersdorf und die betroffenen Ortsteile ist vor dem Eingriff in bestehende Strukturen unverzichtbar, um eine vernünftige Abwägung der Vor- und Nachteile vornehmen zu können. Ein offener Dialog mit den Betroffenen muss Teil dieser Abwägung sein. Außerdem gehört zu einer so weitreichenden Planung eine endgültige und für die Bürger nachvollziehbare Lösung für die bereits jetzt gefährlichen Kreuzungen und Einmündungen.

Eine Antwort für die neu entstehenden Gefahrenpunkte darf genau so wenig fehlen. Der nachträgliche Verzicht auf einen zweiten Kreisverkehr für Seubersdorf ist hier nur ein Beispiel. Da einmal geschaffene Tatsachen später nur schwer abzuändern sind, muss man sich jetzt die Zeit nehmen, alles in Betracht zu ziehen, um nicht später das Nachsehen zu haben. Oft hat die Kritik der Bürger auch dazu geführt, dass vorher übersehene Punkte Beachtung gefunden haben. In diesem Fall könnte man mit einem erfolgreichen Bürgerentscheid im Rücken Verbesserungen einfordern, die es sonst nicht mehr geben wird.

Was auch immer am Ende dabei herauskommen mag, es muss mehr Vorteile als Nachteile bringen und auch diejenigen Bürger berücksichtigen, die sich zu Recht Sorgen machen. Die zu schnell getroffene Entscheidung für die Umgehung in der jetzigen Form muss revidiert werden, damit für die Gemeinde als Ganzes nicht mehr Schaden als Nutzen entsteht. Daher muss man den anstehenden Bürgerentscheid als einmalige Chance sehen, die es zu nutzen gilt.

Bürgermeister Hans Bierschneider: Mehr Lebensqualität

 

Wir brauchen keinen Zeitaufschub. Denn wir haben die zwei Jahre genutzt, um mit dem Staatlichen Bauamt die uns wichtig erscheinenden Punkte, wie Ein- und Ausfahrt bei der Bächmannkurve, die Einmündungen der Krappenhofer- und Eichenhofer-straße zu besprechen, und versuchen, im Konsens eine gute und vernünftige Lösung zu erreichen.

Seit 18 Jahren ist das Thema bekannt, die neuere Version seit 2003, die grundlegende Planung, die sich nur in Nuancen verändert hat, seit 2006. Wer in dieser Zeit gegen alles war, deshalb auch keine verwertbaren Anregungen geliefert und viele vor den Kopf gestoßen hat, sollte nicht glauben, dass sich nun alles nach seinen Vorgaben richtet.

Im übrigen bestimmen wir bei diesem Thema nicht über Zeit, Termine und Fristen, sondern hier halten andere die Fäden in Händen. Zu den arg Verprellten gehört auch der größte Teil der Gemeinderäte, denen man Uninformiertheit und Unwissenheit unterstellt. Sie seien überfordert und überfahren worden. Richtig ist: Seit 2008 hat sich ein Großteil der Räte mit der Materie ausgiebig beschäftigt. Sogar drei Tage vor der Informationsveranstaltung habe ich für den gesamten Gemeinderat eine Sondersitzung zur Ortsumfahrung angesetzt.

Man muss sich fragen, ob sich der Aufwand und der Ärger für den Bau eines 900 Meter langen Straßenstückes und eine Verkehrsverlagerung von 2000 Fahrzeugen vom Innen- in den Außenbereich lohnt, zumal eine Lärmschutzwand kommen wird. Die Entlastung dient in erster Linie den Kindern und den älteren Menschen. Sie erhöht die Lebensqualität und das Unfallrisiko sinkt. Zeit brauchen wir für ein Entwicklungskonzept für den Bereich Schule, Kirche, Rathaus. Hier kann durch den Ankauf von drei Grundstücken durch die Gemeinde eine weit in die Zukunft reichende Ortsplatzgestaltung mit Brunnen, Bänken, Parkplätzen geschaffen werden. Mit der B 8 im Ort ist dies allerdings schlecht zu machen.


 


SPD: Falsche Bedingungen

 

Umgehung Die derzeitige Planung wird vom Ortsverband abgelehnt.

Seubersdorf. Im Bericht über die Bürgerversammlung in Batzhausen wird Bürgermeister Hans Bierschneider mit der Aussage zitiert, dass sich der SPD-Ortsverein Seubersdorf 2004 für die Umgehung ausgesprochen habe. Diese Aussage ist laut einer Stellungnahme des SPD-Ortsvereins falsch. "Im Jahr 2004 haben wir erklärt, dass wir unter bestimmten Bedingungen einer Umgehungsstraße grundsätzlich positiv gegenüber stehen", heißt es darin.

Diese Bedingungen habe man in einem Antrag formuliert. Bei der Abstimmung im Juli 2008 seien diese Bedingungen jedoch nicht erfüllt gewesen. Da auch der SPD-Antrag auf Vertagung der Abstimmung abgelehnt worden sei, habe sich die SPD gegen die Umgehung ausgesprochen. "Wir haben bei keinem Gemeinderatsbeschluss der jetzt geplanten Umgehungsstraße zugestimmt. Die Umstände aus dem Jahr 1992 sind mit der heutigen Situation nicht vergleichbar", schreibt die SPD.

Die Aussagen eines Batzhausener Bürgers bei dieser Bürgerversammlung in Bezug auf die B 8-Umfahrung von Seubersdorf wurden aus Platzgründen verkürzt wiedergegeben - und damit möglicherweise missverständlich. Sie endeten mit der Meinung, dass man, um den Gemeinderat in seinem Bemühen das Menschenmögliche für die Bürger zu erreichen, gegen die Umgehung stimmen sollte, auch wenn der eine oder andere anderer Meinung sei.

Dem Bürgermeister und dem Gemeinderat sollte dann innerhalb des nächsten Jahres Gelegenheit gegeben werden, die Sache noch einmal in Angriff zu nehmen, zu überdenken und mit Baubehörden, Bürgern und Fachstellen zu sprechen und dann alles dafür zu tun, dass von der Bevölkerung Nachteile abgewendet werden.

 

Neumarkter Tagblatt vom 10.11.2010

Umgehungsstraße war auch in Batzhausen der Zankapfel


Verkehr Kurz vor dem Bürgerbegehren am Sonntag prallten in Batzhausen noch einmal die Konkurrenten aufeinander.

Von Günter Treiber

SEUBERSDORF. Die Bürgerversammlung im Deßsaal in Batzhausen hatte viele Themen zu bieten, für den größten Diskussionsstoff sorgte freilich die geplante Umgehungsstraße und das Bürgerbegehren am Sonntag.

"Das hat uns schon viele Nerven gekostet." Mit diesen Worten leitete Bürgermeister Hans Bierschneider diesen Punkt ein. Und er mutmaßte, dass dieser Zankapfel wohl auch über den 14. November hinaus die Gemeinde "noch lange beschäftigen" werde.

Bierschneider blickte noch einmal zurück in das Jahr 1992. Damals teilte Bürgermeister Johann Stauner dem Gemeinderat mit, dass das Staatliche Bauamt davon ausginge, dass die Umgehungsstraße bald Wirklichkeit werden könne. 2003 dann habe der CSU- Ortsverband den Antrag gestellt, die Umgehung endlich zu realisieren. Der SPD-Ortsverein habe sich 2004 für eine Umgehungsstraße ausgesprochen.

"Ein eigener Antrag hätte nicht mehr gestellt werden müssen, da das Staatliche Bauamt die Trasse bereits geplant, anschließend gebaut und finanziert hätte. Die Gemeinde hätte so nur Ausgleichsflächen stellen müssen", so Bürgermeister zusammenfassend. Bierschneider wies noch einmal auf das Gutachten hin. Darin sei zu lesen, dass die Umgehungsstraße keinen höheren Verkehr bringen und damit keine Lärmschutzwand an der Eichenhofener Siedlung benötigt werde.

Erwin Nutz von der Interessengemeinschaft "Lebendiges Seubersdorf" stellte indes die Frage, wieso die Gemeinde widerspruchslos das Straßenstück innerhalb der Ortschaft übernehmen wolle, wenn sich das Land Bayern stets sträube, Bundesstraßen zu übernehmen. Der Bürgermeister sah dies sogar als Vorteil an: "Wenn die Gemeinde für das Straßenstück verantwortlich ist, hat sie die Möglichkeit, die Entwicklung des Ortes selbst zu gestalten, ohne irgendjemanden fragen zu müssen." Darüber hinaus gebe es dafür Zuschüsse.

Nach Meinung von Willy Harrer übernehmen Gutachter keinerlei Verantwortung für ihre Gutachten. Außerdem könnten diese nicht feststellen, wie der Verkehr zukünftig sein werde. Deshalb müsse man keinem Gutachten Glauben schenken.

Dass Geschäftsleute bestimmte Interessen vertreten würden, sei verständlich. Harrer sagte weiter: "Nehmen wir mal an, dass der Gutachter nicht recht hat und sich der Verkehr maßgeblich verstärkt, dann sollten wir die Chance nutzen und für eine Umgehung plädieren."

Hier ist ein Fehler, so sollte es heißen: ,dann sollten wir die Chance nutzen und für keine Umgehung plädieren."


 

 

Neumarkter Tagblatt vom 09.11.2010

Reiterhof Kirsch schlägt Alarm: Existenz in Gefahr


Verkehr Die Besitzer des Traditionsbetriebes befürchten das Aus, wenn die geplante Umgehungsstraße kommt.

Von Günter Treiber


SEUBERSDORF. Die Leser des Tagblattes werden sich mit Sicherheit daran erinnern, als es vor zwei Jahren über die "Pferdeflüsterin Thea" berichtete. Seit nunmehr über 50 Jahren züchten sie und ihr Ehemann Xaver Kirsch Pferde unterschiedlichster Rassen. In den vergangenen Jahren hat sich allerdings der Betrieb zu einem Reiterhof und einer Pferdepension gewandelt, in der derzeit sechs Pferde stehen.

Dazu kommt eine Zuchtstute mit Fohlen der Familie Kirsch sowie demnächst wieder zwei Pferde, die sich zurzeit in Ausbildung befinden, da Xaver Kirsch aus Altersgründen diese Aufgabe nicht mehr bewältigen kann. Nun: Diesem Reiterhof droht womöglich das Aus, wenn es eine Umgehung der Bundesstraße 8 geben wird. Das befürchten zumindest die beiden Besitzer des Reiterhofes.

Xaver Kirsch begründet das so: "Wir sind dann von allen vier Seiten eingesperrt, weil es bereits die Kreisstraße auf der einen und die Bundesstraße auf der anderen Seite gibt. Außerdem ist da noch die Bahnlinie." Die Reiter würden dann nicht mehr vom Anwesen aus in die Natur hinausreiten können, so Kirsch.

Der Pferdepensionsbesitzer verweist auf einen Fall, der sich kürzlich zugetragen hat: "Die Pferde von zwei jungen Reiterinnen haben gescheut, ihre Last abgeworfen und sind allein in ihren Stall zurückgekehrt", erzählt Kirsch. Komme die Umgehungsstraße, sei das dann nicht mehr möglich. Zumindest würden die reiterlosen Pferde ein Verkehrshindernis darstellen und es könnte so zu schweren Unfällen kommen.

Kirsch verweist darauf, dass der Betrieb natürlich gegen solche Eventualitäten versichert sei. Wenn die Pläne umgesetzt würden, übernehme keine Versicherung solche Schäden.

Geschädigt sei er aber bereits jetzt, so Kirsch. Ein befreundeter Pferde-Großzüchter habe mit seinem Betrieb bei ihm expandieren wollen. Dieser sei deswegen wieder abgesprungen.

Gerne würden Theresa und Xaver Kirsch ihren Betrieb für ihren Nachfolger erhalten, der den Betrieb in etwa zwei Jahren übernehmen wollte. Da aber die jetzigen vier Besitzer der sechs Pensionspferde abgewinkt haben und sich bereits um neue Stellplätze kümmern, zeigen sich die "Pferdeflüsterin Thea" und Ehemann Xaver tief traurig. Sie glauben, dass bald der tägliche Gang nicht mehr in den Pferdestall führen wird. "Der schöne Waldrand mit den Pferden davor, ist dann Vergangenheit", sagt Kirsch. Und so werden er und seine Frau am 14. November gegen eine Umgehung stimmen.